Was bedeutet Bewährung?
Ist eine Bewährungsstrafe eine Vorstrafe?
Bewährung in Deutschland Rechte, Pflichten und wichtige Tipps
Wenn die Vollstreckung einer gegen Sie verhängten Freiheitsstrafe in Deutschland zur Bewährung ausgesetzt wird, bedeutet dies, dass Sie nicht ins Gefängnis müssen, aber dennoch bestraft sind und unter bestimmten Auflagen stehen. Was muss man sonst noch wissen?
Dies und mehr erfahren Sie hier in diesem Rechtstipp und in meinem Video.
1. Was ist Bewährung?
Bewährung wird bei einer verurteilten Freiheitsstrafe (Erwachsenenfreiheitsstrafe oder Jugendstrafe) ausgesprochen, die nicht vollstreckt werden soll. Sie müssen also nicht ins Gefängnis, aber Sie sind weiterhin verurteilt. Die Vollstreckung der Strafe wird „zur Bewährung ausgesetzt“, was bedeutet, dass die Strafe nur in bestimmten Fällen (neue Straftat oder Verstoß gegen die Auflagen) in Haft vollstreckt wird.
2. Welche Voraussetzungen gibt es für die Bewährung?
Nicht jede Freiheitsstrafe wird zur Bewährung ausgesetzt. Es hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie etwa der Schwere der Tat, der Rückfallgefahr und der Einsicht des Täters. Eine Freiheitsstrafe von bis zu 2 Jahren kann zur Bewährung ausgesetzt werden, wobei die Bewährungszeit 2 bis 5 Jahre betragen kann.
3. Was müssen Sie während der Bewährungszeit tun?
- Kontakte zu Gericht und Bewährungshelfer: Während der Bewährungszeit müssen Sie dem Gericht und ggf. einem Bewährungshelfer jederzeit zur Verfügung stehen. Dazu gehört, dass Sie bei Auflagen oder Weisungen, wie zum Beispiel regelmäßigen Meldungen oder der Teilnahme an Beratungen, mitwirken.
- Auflagen einhalten: Oft müssen Sie finanzielle Verpflichtungen erfüllen (z.B. Geldauflagen) oder sich bei bestimmten Stellen (z.B. psychosoziale Beratungsstellen) melden. Diese Auflagen müssen strikt beachtet werden. Verstoßen Sie gegen eine Auflage, droht der Widerruf der Bewährung.
4. Was passiert, wenn die Bewährung widerrufen wird?
Wenn Sie gegen die Auflagen der Bewährung verstoßen, kann dies dazu führen, dass die Bewährung widerrufen wird und Sie die Freiheitsstrafe antreten müssen. Daher sollten Sie alle Auflagen ernst nehmen und sich an die Anweisungen des Gerichts oder Bewährungshelfers halten.
5. Wann endet die Bewährungszeit und wie kann sie verkürzt werden?
Die Bewährungszeit dauert meist mindestens 2 Jahre, in Ausnahmefällen können es auch bis zu 5 Jahre sein. Es besteht jedoch die Möglichkeit, die Bewährungszeit bei guter Führung zu verkürzen, wobei dies beantragt und gut begründet werden muss.
6. Wie geht es nach dem Urteil weiter?
Wenn das Gericht in einer Hauptverhandlung entschieden hat, die Strafvollstreckung zur Bewährung auszusetzen, erhalten Sie keine sofortigen schriftlichen Informationen. Erst nach dem Gerichtstermin erhalten Sie und Ihr Anwalt den schriftlichen Bewährungsbeschluss, der oft Wochen oder sogar Monate auf sich warten lässt. Dieser Beschluss legt fest, welche Auflagen und Weisungen Sie erfüllen müssen. Ein rechtskräftiger Strafbefehl ist ein Urteil; er wurde Ihnen vor der Rechtskraft zugestellt und der Bewährungsbeschluss sollte beigefügt gewesen sein.
7. Was tun, wenn Sie während der Haft vorzeitig entlassen werden wollen?
In einigen Fällen, wie bei Freiheitsstrafen, die nicht zur Bewährung ausgesetzt wurden oder nach einem Widerruf der Bewährung, kann vor dem Ende der Strafvollstreckung eine vorzeitige Entlassung beantragt werden. Für eine vorzeitige Entlassung müssen Sie aber viele Voraussetzungen erfüllen: Sie müssen die Strafe ordnunsgemäß angetreten haben, sich gut führen, schuldeinsichtig und von der Haft beeindruckt sein. Ihren Antrag müssen Sie ordnungsgemäß stellen und sich regelmäßig bei den zuständigen Stellen melden.
Unser Tipp:
Es ist wichtig, die Bewährungszeit nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Halten Sie alle Auflagen ein und bleiben Sie mit Ihrem Anwalt, dem Gericht und dem Bewährungshelfer in Kontakt. Ein erfahrener Anwalt kann Sie nicht nur rechtzeitig auf die nächsten Schritte hinweisen, sondern Ihnen auch helfen, die Bewährungsauflagen erfolgreich zu erfüllen. Wenn eine Auflage nicht erfüllt wurde, muss der Verurteilte vor dem Widerruf angehört werden. Strafverteidiger helfen solche Anhörungen vorzubereiten und können schriftlich oder in einem Anhörungstermin für Sie argumentieren. Oftmals lässt sich der Widerruf der Bewährung so verhindern.
Kurz erklärt: Ihre wichtigsten Fragen
Was bedeutet „auf Bewährung verurteilt“?
Sie werden zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, müssen aber nicht ins Gefängnis – zumindest vorerst. Das Gericht gibt Ihnen eine Chance, indem der Vollzug der Strafe ausgesetzt wird. Wenn Sie sich in dieser Zeit nichts zuschulden kommen lassen, und alle Auflagen erfüllen, die Ihnen auferlegt worden sind, müssen Sie die Strafe nicht verbüßen.
Wann muss ich trotz Bewährung ins Gefängnis?
Wenn Sie während der Bewährungszeit eine neue Straftat begehen oder gegen Auflagen verstoßen, kann das Gericht die Bewährung widerrufen. Dann wird die ursprüngliche Freiheitsstrafe vollstreckt. Aber, vorher gibt es immer noch ein Verfahren, entweder schriftlich oder sogar in einem Termin, wird das Gericht Ihre Argumente prüfen.
Bekomme ich automatisch Bewährung oder entscheidet das das Gericht?
Das entscheidet immer das Gericht im Einzelfall. Es prüft vor allem, ob Sie voraussichtlich künftig keine Straftaten mehr begehen (sogenannte positive Legalprognose).
Auch die sogenannte Sozialprognose spielt eine große Rolle, wie gut ist der Beschuldigte sozial abgesichert, hat er einen Wohnsitz, eine Arbeit, eine Familie. Vielleicht war eine Suchterkrankung (mit-)auslösend für die vorgeworfene Straftat. Wer sich frühzeitig im Ermittlungsverfahren um Hilfe bemüht, erhält dafür meist die Chance einer Bewährung.
Bei welchen Strafen ist Bewährung überhaupt möglich?
Im Regelfall dürfen in Deutschland nur Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr zur Bewährung ausgesetzt werden (§ 56 Strafgesetzbuch). In Sonderfällen, und bei sehr guter Sozial- und Legalprognose darf auch bei Freiheitsstrafen bis zu 2 Jahren eine Bewährung ausgesprochen werden. Aber bei allem, was darüber hinaus geht, ist eine Bewährung nicht mehr möglich.
Eine Bewährung ist aber in Deutschland auch möglich bei einer Geldstrafe. § 59 Strafgesetzbuch regelt die Verwarnung mit Strafvorbehalt. Bis zu 180 Tagessätze (also bis zu 6 Monaten) kann auf die Zahlung der Geldstrafe verzichtet werden, wenn der Verwarnte vom Gericht bestimmte Auflagen erfüllt.
Wovon hängt es ab, ob ich Bewährung bekomme?
Das hängt von der individuellen Persönlichkeit und den Lebensumständen ab. Ein Geständnis ist die Grundvoraussetzung, ein geregeltes Leben, Schadenswiedergutmachung, Arbeit, Familie und der Wille zur zukünftigen Straffreiheit sind dabei sehr wichtig.
Wie lange dauert eine Bewährungszeit?
Die Zeit bestimmt das Gericht, das Gesetz gibt den Rahmen von mindestens zwei und maximal fünf Jahren (§ 56a Strafgesetzbuch). In dieser Zeit müssen Sie sich „bewähren“, also straffrei bleiben, alle Auflagen erfüllen und weiterhin sozial gesichert leben.
Was sind typische Auflagen bei Bewährung?
Zum Beispiel Geldzahlungen, Schadenswiedergutmachung, Sozialstunden, die Zusammenarbeit mit einem Bewährungshelfer oder absolute Abstinenz von Alkohol oder Drogen.
Muss ich während der Bewährung regelmäßig Kontakt zu jemandem haben?
Oft ja. Das Gericht muss Sie jederzeit erreichen können, Sie müssen also immer mitteilen, wenn Sie umziehen. Sollte ein Bewährungshelfer an die Seite gestellt worden sein, müssen Sie Kontakt halten und vor allem, den Bewährungshelfer über alles Wichtige von sich aus informieren, insbesondere im Falle neuer Ermittlungen gegen Sie. Allein die Verletzung der Informationspflichten kann zum Widerruf führen.
Was passiert, wenn ich mich an alle Regeln halte?
Dann wird die Strafe am Ende der Bewährungszeit erlassen. Sie müssen nicht ins Gefängnis. Aber Vorsicht, erst ab dem richterlichen Beschluss, dass die Strafe erlassen ist, ist die Bewährungszeit tatsächlich beendet. Und es gibt eine Überhangfrist von bis zu einem Jahr nach diesem Beschluss. Sollte innerhalb eines Jahres eine neue Straftat bekannt werden, die vor dem Beschluss begangen worden ist, droht der Widerruf der Bewährung, trotz des Beschlusses.
Kann ich trotz Vorstrafe noch Bewährung bekommen?
Ja, aber es wird schwieriger. Das Gericht schaut genauer hin, ob Sie trotzdem eine zweite Chance verdienen.
Muss ich bei Bewährung ins Gefängnis, wenn ich einen kleinen Fehler mache?
Nicht unbedingt. Es kommt darauf an, wie schwer der Verstoß ist. Kleinere Verstöße führen nicht automatisch zum Widerruf, oftmals werden die Auflagen und Weisungen strenger. Bei neuen Straftaten wird es aber ernst.
Steht eine Bewährungsstrafe im Führungszeugnis?
Ja, eine Bewährungsstrafe steht bei Erwachsenen immer im Führungszeugnis. Nicht aufgenommen werden nur einmalige Strafen mit einer Gesamtgeldstrafe von 90 Tagessätzen. Im Jugendstrafrecht ist das anders.
Weitere Fragen?
Wenn Sie mehr über Ihre Rechte und Pflichten erfahren möchten, oder wenn Sie rechtliche Unterstützung benötigen, zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren!
GLÜCK – Kanzlei für Strafrecht hat die Experten für solche Ermittlungs- und Strafverfahren. Wir betreuen regelmäßig Ermittlungsverfahren und bringen diese oft zur Einstellung.