Wann kommt bei Todesfall die Kripo nach Hause?
Oft, kommt die Kriminalpolizei nach einem Todesfall nach Hause. Wenn die Rettung kontaktiert wird, und der Verdacht des Todes dabei erwähnt wird, informiert die Rettung automatisch die Kripo.
Aber auch, wenn ein Arzt einen Toten zuhause untersucht und die Todesursache nicht sicher feststellen kann, informiert er die Kripo. Die Polizei kommt und für sie ist das Zuhause dann ein Tatort und alle erst einmal Verdächtige.
Natürlicher Tod daheim? Warum die Kriminalpolizei ermittelt. Unschuldigen droht lebenslange Haft
Ein Nahestehender verstirbt plötzlich in der Urlaubswohnung, im Hotelzimmer, zuhause.
Was geschieht, wenn der gerufene Arzt nicht sofort von einer natürlichen Todesursache ausgeht? Kann das zu einem Ermittlungsverfahren gegen Angehörige, Nahestehende oder sogar denjenigen führen, der die Sanitäter informiert hat?
Dies und mehr erfahrt ihr hier in diesem Rechtstipp und in meinen Video.
Natürlicher Tod zuhause?
Eine Ehepaar urlaubt 2 Wochen an der Ostsee in einer hübschen Ferienwohnung. Der Ehemann holt früh Brötchen zum Frühstück, als er zurückkommt sitzt seine Frau bewegungslos und nicht ansprechbar auf der Couch.
Er bettet sie in eine stabile Seitenlage, versucht zu reanimieren und ruft den Notarzt. Weil es sehr eng in der Wohnung ist, legt er sie auf den Boden.
Das Rettungsteam versucht die Wiederbelebung, aber leider erfolglos. Der Notarzt stellt den Tod der Frau fest und kann nicht sofort eine natürliche Todesursache feststellen.
Automatisch wird spätestens jetzt die Kriminalpolizei informiert -oftmals sogar sofort mit dem Notruf.
Die Polizei betrachtet die Wohnung sofort als Tatort und sucht nach Verdächtigen. An erster Stelle: der Ehemann.
Der ist natürlich völlig traumatisiert und steht unter schwerem Schock. Darauf nehmen die Beamten aber ganz sicher keinerlei Rücksicht. Er wird separiert, vernommen - wenn er Glück hat, wird er belehrt, dass er schweigen darf und einen Verteidiger hinzuziehen darf. Aber selbst bei ordnungsgemäßer Belehrung wird er aufgrund des Schocks nicht in der Lage sein, vernünftig zu handeln. Zu dem Schock des Todes der Ehefrau kommt dann der Schock, eines Tötungsdelikts verdächtig zu sein.
Wenn es nicht sofort etwas Entlastendes gibt (und das gibt es meistens nicht), wird der Ehemann vorläufig festgenommen und mit auf das Kommissariat genommen. Er wird erkennungsdienstlich behandelt, vielleicht wird sogar eine Speichelprobe entnommen und er wird in einer Zelle untergebracht.
Gleichzeitig wird die Obduktion angeordnet und nur wenn diese eine natürliche Todesursache bestätigt, wird er wieder entlassen.
Sollte dies nicht der Fall sein, wird der Ehemann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit spätestens am nächsten Tag in Untersuchungshaft genommen, wegen des Verdachts zumindest des Totschlags seiner Frau.
Das gilt immer, wenn ein Angehöriger plötzlich im privaten Raum verstirbt und der Notarzt keine natürliche Todesursache feststellt.
Wenn sich die Unschuld bei der Obduktion herausstellt, also eine natürliche Todesursache doch festgestellt wird, entschuldigt sich übrigens niemand. Man wird einfach vor die Türe des Kommissariats gesetzt: zweifach traumatisiert und muss sich um sein Weiterkommen selber kümmern!
In München befand sich ein Mann jahrelang in Haft, weil bei der Obduktion einer Verstorbenen keine natürliche Todesursache festgestellt worden war. Erst Jahre später, in einem wiederaufgenommenen Verfahren, wurde er freigesprochen. Welche Martyrium er in der Zeit durchlebt hat, lässt sich nicht in Worte fassen…
Kurz erklärt: Die wichtigsten Fragen zum Todesfall zu Hause
Wenn jemand zu Hause stirbt, kommt dann die Polizei?
Nicht automatisch. Entweder ein Arzt stellt den Tod fest und kann die Todesursache nicht eindeutig klären, dann ruft er die Polizei.
Wenn zuerst der Rettungsdienst angerufen wird und der Todesfall dabei gemeldet wird, kommt immer auch die Kriminalpolizei mit. Das geschieht sehr häufig, weil Angehörige den Tod nicht feststellen können. Der Ehemann kollabiert, die Ehefrau wählt die Nummer des Notarztes und sagt in ihrer Verzweiflung, sie fürchtet, der Ehemann stirbt: Ja, die Kripo kommt mit dem Notarzt nach Hause.
Muss die Polizei bei einem Todesfall kommen?
Wenn der Tod nicht eindeutig vor Ort zu klären ist, muss die Kriminalpolizei informiert werden und sie kommt. Das kann zum Beispiel bei Unfällen, Suizid, Vergiftung oder ähnlichem der Fall sein. Aber, wenn die Rettung involviert ist, ist die Todesursache egal: die Kriminalpolizei kommt mit. Und die Angehörigen sind dann zuallererst Verdächtige, egal wie sehr sie Hilfe möchten oder schwer betroffen sind, von dem Verlust des Angehörigen.
Wann kommt es zu einer Obduktion nach einem Tod zu Hause?
Eine Obduktion wird angeordnet, wenn die Todesursache nicht eindeutig geklärt werden kann oder ein Strafverdacht besteht. Die Entscheidung trifft in der Regel die Staatanwaltschaft.
Haben Sie Fragen?
Wenn Sie noch weitere Fragen zu diesem Thema haben oder eine individuelle Beratung wünschen, können Sie sich gerne an uns wenden.
GLÜCK – Kanzlei für Strafrecht hat die Experten für solche Ermittlungs- und Strafverfahren. Wir betreuen regelmäßig Ermittlungsverfahren und bringen diese oft zur Einstellung.